De-Kolonial!

Donnerstag 10.00h - 11.30h

Aula

Moodle Anmeldeschlüssel: D3kolon1al!

Incom-Link: https://kh-berlin.incom.org/workspace/1865

Scharfe Wort sind im Umlauf: weiße Institutionen, weiße Wissenschaft, epistemische Gewalt; vor einiger Zeit hieß es auf einem Flyer „Weißensee ist zu weiß“. Gemeint ist natürlich nicht eine Hautfarbe der überwältigenden Mehrheit der an deutschen Bildungseinrichtungen Lehrenden. Gemeint ist die Art und Weise, was als Wissen begründet und wie es vermittelt wird. Gemeint sind die Grundfeste westlicher akademischer Identität, die sich zeigen, würde die Frage „Wer spricht?“ ehrlich beantwortet.

In diesem Seminar sollen künstlerische/aktivistische Positionen und einige wenige, aber fundamentalen Aufklärungsideale – Universalität, Freiheit, Rationalität – mit theoretischen dekolonialen Positionen verbunden werden. Die argentinische Anthropologin Rita Laura Segato schlägt vor, von der dekolonialen Art und Weise der Äußerung eines Wissens und einer Handlung zu sprechen, um die andauernde Kolonialität der Macht besser ausdrücken zu können, als es Post-Kolonialismus und Dekolonisierung vermögen, da diese beiden Begriffe den Eindruck vermitteln könnten, der dekoloniale Prozess sei abgeschlossen oder abschließbar. Sie ist feministischer Teil der südamerikanischen Debatte um das Konzept Modernität/Kolonialität, das Anfang der 1990 Jahre von dem peruanischen Soziologen Aníbal Quijano als epistemischer Knotenpunkt für Macht- und Wissensverhältnisse vorgeschlagen wurde. 

Kunst soll in dem Seminar nicht als Illustration von Theorie verstanden werden, sehr wohl aber als ein Mittel der Wissensgenerierung, mit dem theoretische Fragen bearbeitet, verarbeitet und in eine ästhetische Formensprache transferiert wird. Oder wie es Raoul Peck in seinem Film „Rottet die Bestien aus! (Exterminate All the Brutes, USA 2011)“ sagt: „Kunst kann Unsichtbares sichtbar machen.“

14.4.: Einführung

Linda Tuhiwai Smith, Decolonizing Knowledge, Vortrag DataCenter Research for Justice, Oakland 22.7.2013

21.4. und 28.4.: Zucker oder: Hegel und Haiti

Kara Walker „A Subtlety, or the Marvelous Sugar Baby” 2014;

Necati Öziri, Die Verlobung in St. Domingo – Ein Widerspruch, Premiere Schauspielhaus Zürich 2019;

Stefanie Misa, Ohne Titel (Sakada), Künstlerhaus Wien „Whiteness as Property“, 2012/2022

Deutsches Technikmuseum „Alles Zucker“

Litertaur:

Susann Buck-Morss, Hegel und Haiti. Für eine Universalgeschichte, F/M 2011

Dies,: Universal History Upside Down. Reflections on Hegel and Haiti, Journal of Contamporary African Art, 26, May 2020

Alice Procter, The Whole Picture. The colonial story of the art in our museum&why we need to talk about it, Part IV/20 Sugar Baby

5.5.: Meta Vax Warrick Fuller, Mary Turner (1919) oder: Die ortlose Geschichte der Sklaverei

Literatur:

Caitlin Beach, Meta Warrick Fuller’s Mary Turner and The memory of Mob Violence, Journal of Contemporary African Art, 36, May 2015

Lynching in America. Confronting the Legacy of Racial Terror, Equal Justice Initiative (3d ed. 2017) https://eji.org/reports/lynching-in-america/

12.5. und 19.5.: Abolitionismus oder: weiße Tränen

Anne-Louis Girodet „Jean-Baptiste Belley (1797), Omar Victor Diop, Series Diaspora 2014

Marie-Guillemine Benoist “Madeleine” (1800), Maud Sulter “Bonnie Greer” (2002), Elizabeth Colomba “The Portrait” (2011)

Literatur:

Le Modèle noir, de Géricault à Matisse, Ausstellungskatalog Musée d’Orsay, Paris 2019

Posing Modernity. The Black Model from Manet and Matisse to Today, Ausstellungskatalog Wallach Art Gallery New York 2019

Adrienne L. Childs; Iris Moon in: Elyse Nelson, Wendy S. Walters (Ed.), Fictions of Emancipation: Carpeaux's Why Born Enslaved! Reconsidered, MOMA New York 2022,

Alice Procter, The Whole Picture. The colonial story of the art in our museum&why we need to talk about it, Part II/9 Abolitionists

2.6. und 9.6.: Cancel Culture oder: Kants Rassentheorien

Freie Wahl der Beispiele

Literatur:

Emmanuel Chukwudi Eze, The Color of Reason: The Idea of “Race” in Kant’s Anthropology

Ders.: On Reason. Rationality in a World of Cultural Conflict and Racism (Preface: What is Rationality)

Linda Tuhiwai Smith, Decolonizing Methodologies. Research and Indigenous People, London 2012, Colonizing the Disciplines

16.6.: Besuch im Humboldt-Forum: Die Ausstellung zum Janheinz Jahn-Archiv (mit Führung)

https://www.humboldt-labor.de/de/journal/ein-stueck-deutsch-afrikanischer-literaturgeschichte

23.6. und 30.6.: De-Koloniale Identitäten oder: Es geht wirklich um weiße Institutionen und epistemische Gewalt

Künstler*innen: Wifredo Lam, Andrés Argüelles Vigo, Tarsila do Amaral, Alfredo Jaar,

Cecilia Vicuña, Joiri Minaya

Literatur:

Aníbal Quijano, Kolonialität der Macht, Eurozentrismus und Lateinamerika (2000), Wien/Berlin 2019, Kap. I.: Amerika und das neue Muster globaler Macht

Rita Laura Segato, Wider die Grausamkeit. Für einen fenistischen und dekolonialen Weg, Wien/Berlin 2021, Einführung; „Vor dem Spiegel der bösen Königin“: Lehre, Freundschaft und Ermächtigung als dekoloniale Breschen in den Universitäten

Walter Mignolo, The Dark Side of Western Modernity. Global Futures, Decolonial Options, Durham/London 2011, Preface and Acknowledgments; Introduction; Five: The Darker Side of the Enlightenment. A Decolonial Reading of Kant’s Geography